1) Wohlauf! es ruft der Sonnenschein

hinaus in Gottes Welt!

geht munter in die Welt hinein

und wandelt übers Feld!


2) Es bleibt der Strom nicht ruhig stehn

gar lustig rauscht er fort.

Hörst Du des Windes muntres Wehn?

Es braust von Ort zu Ort


3) Es reist der Mond wohl hin und her

die Sonne ab und auf,

guckt über’n Berg und geht ins Meer

nie matt in ihrem Lauf


4) Und Mensch, du sitzest stets daheim

und sehnst dich nach der Fern’:

sei frisch und wandle durch den Hain

und sieh die Fremde gern!


5) Wer weiss, wo dir dein Glücke noch blüht:

so geh und such es nur!

der Abend kommt, der Morgen flieht

betrete bald die Spur!


6) Lass Sorgen sein und Bangigkeit

ist doch der Himmel blau!

Es wechselt Freude stets mit Leid:

dem Glück nur vertrau!


7) Soweit dich schliesst der Himmel ein

gerät der Liebe Frucht,

und jedes Herz wird glücklich sein

und finden, was es sucht





Text: Ludwig Tieck (1773-1853)