1) Der Winter ist ein rechter Mann,

Kernfest und auf die Dauer.

Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,

Und scheut nicht süß noch sauer.


4) Aus Blumen und aus Vogelsang

Weiß er sich nichts zu machen,

Hasst warmen Drang und warmen Klang

Und alle warmen Sachen.


5) Doch wenn die Füchse bellen sehr,

Wenn's Holz im Ofen knittert

Und um den Ofen Knecht und Herr

Die Hände reibt und zittert.


6) Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht

Und Teich und Seen krachen:

Das klingt ihm gut, das hasst er nicht,

Dann will er tot sich lachen.


7) Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus

Beim Nordpol an dem Strande.

Doch hat er auch ein Sommerhaus

Im lieben Schweizerlande.


8) Da ist er denn bald dort, bald hier,

Gut Regiment zu führen.

Und wenn er durchzieht, stehen wir

Und seh'n ihn an und frieren.


Matthias Claudius


1) Winter, ade!

Scheiden tut weh.

Aber dein Scheiden macht,

Daß mir das Herze lacht!

Winter, ade!

Scheiden tut weh.


2) Winter, ade!

Scheiden tut weh.

Gerne vergeß ich dein,

Kannst immer ferne sein.

Winter, ade!

Scheiden tut weh.


3) Winter, ade!

Scheiden tut weh.

Gehst du nicht bald nach Haus,

Lacht dich der Kuckuck aus!

Winter, ade!

Scheiden tut weh.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


1) Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder,

den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter.


2) Der Frühling bringt Blumen, der Sommer den Klee,

der Herbst, der bringt Trauben, der Winter den Schnee.


3) Und wie sie sich schwingen im Jahresreihn,

so tanzen und singen wir fröhlich darein.


Volkslied


1) Der Winter ist vergangen,

ich seh des Maien Schein,

ich seh die Blümlein prangen,

des ist mein Herz erfreut.

So fern in jenem Tale,

da ist gar lustig sein,

da singt Frau Nachtigale

und manch Waldvögelein.


Hans Magnus Böhme


1) Jetzt fängt das schöne Frühjahr an,

und alles fängt zu blühen an

auf grüner Heid und überall.


4) Jetzt geh' ich über Berg und Tal,

da hört man schon die Nachtigall

auf grüner Heid und überall.


 Volkslied


1) Wenn der Frühling kommt,

von den Bergen schaut,

wenn der Schnee im Tal

und von den Hügeln taut,

wenn die Finken schlagen

und zu Neste tragen,

dann beginnt die liebe, gold'ne Zeit.


2) Wenn der Weichselbaum

duft'ge Blüten schneit,

wenn die Störche kommen

und der Kuckuck schreit,

wenn die Bächlein quellen

und die Knospen schwellen,

dann beginnt die liebe, gold'ne Zeit.



Volkslied aus Westfalen


1) Nun will der Lenz uns grüßen,

von Mittag weht es lau;

aus allen Ecken sprießen,

die Blumen rot und blau.

Draus wob die braune Heide

sich ein Gewand gar fein

und lädt im Festagskleide

zum Maientanze ein.


2) Waldvöglein Lieder singen,

wie ihr sie nur begehrt.

Drum auf zum frohen Springen,

die Reis' ist Goldes wert!

Hei, unter grünen Linden,

da leuchten weiße Kleid!

Heija, nun hat uns Kinden

ein End all Wintersleid.


Neithardt von Reuental überarbeitet von 1885 von August Fischer 


Es tönen die Lieder,

der Frühling kehrt wieder,

es spielet der Hirte

auf seiner Schalmei:

La la la la la la la, 

la la la la la la la.


Volkslied


1) Alle Vögel sind schon da,

alle Vögel, alle.

Welch ein Singen, Musiziern,

Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!

Frühling will nun einmarschiern,

kommt mit Sang und Schalle.


2) Wie sie alle lustig sind,

flink und froh sich regen!

Amsel, Drossel, Fink und Star

und die ganze Vogelschar

wünschen dir ein frohes Jahr,

lauter Heil und Segen.


3) Was sie uns verkünden nun,

nehmen wir zu Herzen:

Wir auch wollen lustig sein,

lustig wie die Vögelein,

hier und dort, feldaus, feldein,

singen, springen, scherzen.


Hoffmann von Fallersleben


1) Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald.

Lasset uns singen, tanzen und springen!

Frühling, Frühling wird es schon bald.


2) Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:

"Komm in die Felder, Wiesen und Wälder!

Frühling, Frühling, stelle dich ein!"


3) Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!

Was du gesungen, ist dir gelungen:

Winter, Winter räumet das Feld!


Hoffmann von Fallersleben


1) Der Kuckuck und der Esel,

Die hatten großen Streit,

|: Wer wohl am besten sänge :|

|: Zur schönen Maienzeit :|


2) Der Kuckuck sprach: „Das kann ich!“

Und hub gleich an zu schrei'n.

|: Ich aber kann es besser! :|

|: Fiel gleich der Esel ein. :|


3) Das klang so schön und lieblich,

So schön von fern und nah;

|: Sie sangen alle beide :|

Kuckuck, Kuckuck, i-a, i-a!

Kuckuck, Kuckuck, i-a!

Hoffmann von Fallersleben


1) Tra-ri-ra!

Bald ist der Frühling da!

Bald werden grün die Felder,

Die Wiesen und die Wälder.

Tra-ri-ra!

Bald ist der Frühling da!


2) Tra-ri-re!

Schon schmilzet Eis und Schnee:

Die Quellen rauschen wieder

Von allen Bergen nieder.

Tra-ri-re!

Schon schmilzet Eis und Schnee.


3) Tra-ri-ro!

Jetzt sind wir wieder froh!

Ja, Trost für lange Plage

Verleih'n die längern Tage.

Tra-ri-ro!

Jetzt sind wir wieder froh!


4) Tra-ri-ru!

Du lieber Frühling du,

Laß uns nicht länger warten!

Komm bald in Feld und Garten!

Tra-ri-ru!

Du lieber Frühling du!


Hoffmann von Fallersleben


1) Der Frühling hat sich eingestellt!

Wohlan, wer will ihn sehn?

Der muß mit mir ins freie Feld,

ins grüne Feld nun gehn.


2) Er hielt im Walde sich versteckt,

daß niemand ihn mehr sah;

ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,

jetzt ist er wieder da.


3) Jetzt ist der Frühling wieder da,

ihm folgt, wohin er zieht,

nur lauter Freude fern und nah

und lauter Spiel und Lied.


4) Und allen hat er, groß und klein,

was Schönes mitgebracht,

und sollt's auch nur ein Sträußchen seil

er hat an uns gedacht.


5) Drum frisch hinaus ins freie Feld,

ins grüne Feld hinaus!

Der Frühling hat sich eingestellt;

wer bliebe da zu Haus?



Hoffmann von Fallersleben




1) Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt. 

Er pfleget und pflanzet all’ Bäume und Land. 

Er ackert, er egget, er pflüget und sät,
und regt seine Hände gar früh und noch spät. 


2) Den Rechen, den Spaten, die nimmt er zur Hand 

und setzet die Wiesen in ebenen Stand;
Auch pfropft er die Bäume mit edlerem Reis’
und spart weder Arbeit, noch Mühe, noch Fleiß.

 

3) Die Knechte, die Mägde und all sein Gesind’, 

das regt und bewegt sich, wie er so geschwind;
sie singen manch’ munteres, fröhliches Lied,
und freun sich vom Herzen, wenn alles schön blüht. 


4) Und ist dann der Frühling und Sommer vorbei,
so füllet die Scheuer der Herbst wieder neu;
und ist voll die Scheuer, voll Keller und Haus,
dann gibt's auch im Winter manch fröhlichen Schmaus. 


Erschienen bei Josef Pommer 1905


1) Wir pflügen, und wir streuen

den Samen auf das Land,

doch Wachstum und Gedeihen

steht in des Himmels Hand:

der tut mit leisem Wehen

sich mild und heimlich auf

und träuft, wenn heim wir gehen,

Wuchs und Gedeihen drauf.

Refr.: 

Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,

drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt 

und hofft auf ihn!


2) Er sendet Tau und Regen

und Sonn- und Mondenschein,

er wickelt seinen Segen

gar zart und künstlich ein

und bringt ihn dann behende

in unser Feld und Brot:

es geht durch unsre Hände,

kommt aber her von Gott.


3) Was nah ist und was ferne,

von Gott kommt alles her,

der Strohhalm und die Sterne,

der Sperling und das Meer.

Von ihm sind Büsch und Blätter

und Korn und Obst von ihm,

das schöne Frühlingswetter

und Schnee und Ungestüm.


4) Er läßt die Sonn aufgehen,

er stellt des Mondes Lauf;

er läßt die Winde wehen

und tut den Himmel auf.

Er schenkt uns so viel Freude,

er macht uns frisch und rot;

er gibt den Kühen Weide

und unsern Kindern Brot.


Matthias Claudius


1) Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp.

Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach, klipp klapp.

Er mahlet uns Korn zu dem kräftigen Brot,

und haben wir solches, so hat's keine Not.

Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!


2) Flink laufen die Räder und drehen den Stein, klipp klapp,

und mahlen den Weizen zu Mehl uns so fein, klipp klapp.

Der Bäcker dann Zwieback und Kuchen draus bäckt,

der immer den Kindern besonders gut schmeckt.

Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!


3) Wenn reichliche Körner das Ackerfeld trägt, klipp klapp,

die Mühle dann flink ihre Räder bewegt, klipp klapp.

Und schenkt uns der Himmel nur immerdar Brot,

so sind wir geborgen und leiden nicht Not.

Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!


Ernst Anschütz zugeschrieben


1) Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!

ei! wir thun dir nichts zu Leide,

flieg’ nun aus in Wald und Heide!

Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!


2) Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!

such’ in Blumen, such’ in Blümchen

dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen!

Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!


3) Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!

kehre heim mit reicher Habe,

bau’ uns manche volle Wabe!

Summ summ summ!

Bienchen summ’ herum!


 Hoffmann von Fallersleben


1) Es, es, es und es,

Es ist ein harter Schluß,

Weil, weil, weil und weil,

Weil ich aus Frankfurt muß.

Drum schlag ich Frankfurt aus dem Sinn

Und wende mich, Gott weiß wohin.

Ich will mein Glück probieren,

Marschieren.


2) |: Er, er, er und er,

Herr Meister, leb er wohl! :|

Ich sags ihm grad frei ins Gesicht,

Seine Arbeit, die gefällt mir nicht.

Ich will mein Glück probieren,

Marschieren.


3) |: Sie, sie, sie und sie,

Frau Meisterin, leb sie wohl! :|

Ich sags ihr grad frei ins Gesicht,

Ihr Speck und Kraut, das schmeckt mir nicht.

Ich will mein Glück probieren,

Marschieren.


4) |: Er, er, er und er,

Herr Wirt, nun leb er wohl! :|

Hätt' er die Kreide nicht doppelt g'schrieb'n,

So wär ich länger dageblieben.

Ich will mein Glück probieren,

Marschieren.


6) |: Ihr, ihr, ihr und ihr,

Ihr Brüder, lebet wohl! :|

Hab ich Euch was zu Leid getan,

So bitt ich um Verzeihung an.

Ich will mein Glück probieren,

Marschieren.


Volkslied


1) Alles neu macht der Mai,

macht die Seele frisch und frei.

Laßt das Haus, kommt hinaus!

Windet einen Strauß!

Rings erglänzet Sonnenschein,

duftend prangen Flur und Hain:

Vogelsang, Hörnerklang

tönt den Wald entlang.


2) Wir durchziehen Saaten grün,

Haine, die ergötzend blüh'n,

Waldespracht, neu gemacht

nach des Winters Nacht.

Dort im Schatten an dem Quell

rieselnd munter silberhell

Klein und Groß ruht im Moos,

wie im weichen Schoß.


3)Hier und dort, fort und fort,

wo wir ziehen, Ort für Ort,

alles freut sich der Zeit,

die verschönt erneut.

Widerschein der Schöpfung blüht

uns erneuend im Gemüt.

Alles neu, frisch und frei

macht der holde Mai.


Hermann Adam von Kamp


1) Grüß Gott, du schöner Maien,

da bist du wiedrum hier.

Tust jung und alt erfreuen,

mit deiner Blumen Zier.

Die lieben Vöglein alle,

singen also hell,

Frau Nachtigall mit Schalle

hat die fürnehmste Stell.



2) Die kalten Wind verstummen,

der Himmel ist gar blau,

die lieben Bienlein summen

daher auf grüner Au.

O holde Lust im Maien,

da alles neu erblüht,

du kannst mir sehr erfreuen

mein Herz und mein Gemüt.


Volkslied


1) Wie lieblich ist der Maien

aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen,

weil alles grünt und blüht!

Die Tier sieht man jetzt springen

mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen,

die loben Gott mit Freud.


2) Herr, dir sei Lob und Ehre

für solche Gaben Dein.

Die Blüt zur Frucht vermehre,

lass sie ersprießlich sein.

Es steht in Deinen Händen,

Dein Macht und Güt ist groß,

drum wollst Du von uns wenden

Mehltau, Frost, Reif und Schloss.


3) Herr, lass die Sonne blicken

ins finstre Herze mein,

damit sich’s möge schicken,

fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben

allein an Deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben

und weist des Himmels Pfort.


4) Mein Arbeit hilf vollbringen

zu Lob dem Namen Dein,

und lass mir wohl gelingen,

im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein lass aufgehen

von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen

und nicht verwerflich sei.


Martin Behm


1) Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.

Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.

Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,

so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.


2) Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt'!

Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.

Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert;

es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.


3) Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,

wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!

Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all-

mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmet ein mit Schall.


1) Das Wandern ist des Müllers Lust,

das Wandern.

Das muß ein schlechter Müller sein,

dem niemals fiel das Wandern ein,

das Wandern.


2) Vom Wasser haben wir's gelernt,

vom Wasser:

Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,

ist stets auf Wanderschaft bedacht,

das Wasser.


3) Das sehn wir auch den Rädern ab,

den Rädern:

Die gar nicht gerne stille stehn,

die sich mein Tag nicht müde drehn,

die Räder.


4) Die Steine selbst, so schwer sie sind,

die Steine,

sie tanzen mit den muntern Reih'n

und wollen gar noch schneller sein,

die Steine.


5) O Wandern, Wandern meine Lust,

o Wandern!

Herr Meister und Frau Meisterin,

laßt mich in Frieden weiter ziehn

und wandern.


Wilhelm Müller


1) Wer recht in Freuden wandern will,

der geht der Sonn entgegen.

Da ist der Wald so kirchenstill,

kein Lüftchen mag sich regen.

Noch sind nicht die Lerchen wach,

nur im hohen Gras der Bach singt leise den Morgensegen.


2) Die ganze Welt ist wie ein Buch,

darin uns aufgeschrieben

in bunten Zeilen manch ein Spruch,

wie Gott uns treu geblieben;

Wald und Blumen, nah und fern,

und der helle Morgenstern

sind Zeugen von seinem Lieben.


3) Da zieht die Andacht wie ein Hauch

durch alle Sinnen leise;

da pocht ans herz die lieb auch

in ihrer stillen Wiese,

pocht und pocht, bis sich's erschließt

und die Lippe überfließt

von lautem, jubelndem Preise.


4) Und plötzlich läßt die Nachtigall

im Busch ihr Lied erklingen;

im Berg und Tal erwacht der Schall

und will sich aufwärts schwingen,

und der Morgenröte Schein

stimmt in lichter Glut mit ein:

Laßt uns dem Herrn lobsingen.


Emanuel Geibel


1) Wohlauf! es ruft der Sonnenschein

hinaus in Gottes Welt!

geht munter in die Welt hinein

und wandelt übers Feld!


2) Es bleibt der Strom nicht ruhig stehn

gar lustig rauscht er fort.

Hörst Du des Windes muntres Wehn?

Es braust von Ort zu Ort


3) Es reist der Mond wohl hin und her

die Sonne ab und auf,

guckt über’n Berg und geht ins Meer

nie matt in ihrem Lauf


4) Und Mensch, du sitzest stets daheim

und sehnst dich nach der Fern’:

sei frisch und wandle durch den Hain

und sieh die Fremde gern!


5) Wer weiss, wo dir dein Glücke noch blüht:

so geh und such es nur!

der Abend kommt, der Morgen flieht

betrete bald die Spur!


6) Lass Sorgen sein und Bangigkeit

ist doch der Himmel blau!

Es wechselt Freude stets mit Leid:

dem Glück nur vertrau!


7) Soweit dich schliesst der Himmel ein

gerät der Liebe Frucht,

und jedes Herz wird glücklich sein

und finden, was es sucht


Ludwig Tieck


1) Schön ist die Welt, drum Brüder,

laßt uns reisen wohl in die weite Welt,

wohl in die weite Welt.


2) Wir sind nicht stolz,

wir brauchen keine Pferde,

die uns von dannen ziehn.


3) Wir steig'n hinauf

auf Berge und Hügel,

wo uns die Sonne sticht.


4) Wir laben uns

an jeder Felsenquelle

wo frisches Wasser fließt.


5) Wir reisen fort

von einer Stadt zur andern,

wo uns die Luft gefällt.


Volkslied 19. Jhd.


1) Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

Den schickt er in die weite Welt,

Dem will er seine Wunder weisen

In Berg und Wald und Strom und Feld.


2) Die Trägen die zu Hause liegen,

Erquicket nicht das Morgenrot,

Sie wissen nur von Kinderwiegen,

Von Sorgen, Last und Not um Brot.


3) Die Bächlein von den Bergen springen,

Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,

Was soll ich nicht mit ihnen singen

Aus voller Kehl und frischer Brust?


4) Den lieben Gott laß ich nun walten,

Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld

Und Erd und Himmel will erhalten,

Hat auch mein Sach aufs best bestellt.


Joseph von Eichendorff


1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud

in dieser lieben Sommerzeit

an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier

und siehe, wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben,

sich ausgeschmücket haben.


2) Die Bäume stehen voller Laub,

das Erdreich decket seinen Staub

mit einem grünen Kleide;

Narzissus und die Tulipan,

die ziehen sich viel schöner an

als Salomonis Seide,

als Salomonis Seide.


3) Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hochbegabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder,

Berg, Hügel, Tal und Felder.


4) Die Glucke führt ihr Völklein aus,

der Storch baut und bewohnt sein Haus,

das Schwälblein speist die Jungen,

der schnelle Hirsch, das leichte Reh

ist froh und kommt aus seiner Höh

ins tiefe Gras gesprungen,

ins tiefe Gras gesprungen.


5) Die Bächlein rauschen in dem Sand

und malen sich an ihrem Rand

mit schattenreichen Myrten;

die Wiesen liegen hart dabei

und klingen ganz vom Lustgeschrei

der Schaf und ihrer Hirten,

der Schaf und ihrer Hirten.


6) Die unverdroßne Bienenschar

fliegt hin und her, sucht hier und da

ihr edle Honigspeise;

des süßen Weinstocks starker Saft

bringt täglich neue Stärk und Kraft

in seinem schwachen Reise,

in seinem schwachen Reise.


7) Der Weizen wächset mit Gewalt;

darüber jauchzet jung und alt

und rühmt die große Güte

des, der so überfließend labt

und mit so manchem Gut begabt

das menschliche Gemüte,

das menschliche Gemüte.


8) Ich selber kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinnen;

ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt,

aus meinem Herzen rinnen,

aus meinem Herzen rinnen.


9) Ach, denk ich, bist du hier so schön

und läßt du's uns so lieblich gehn

auf dieser armen Erden:

was will doch wohl nach dieser Welt

dort in dem reichen Himmelszelt

und güldnen Schlosse werden,

und güldnen Schlosse werden!


10) Welch hohe Lust, welch heller Schein

wird wohl in Christi Garten sein!

Wie muß es da wohl klingen,

da so viel tausend Seraphim

mit unverdroßnem Mund und Stimm

ihr Halleluja singen,

ihr Halleluja singen.


11) O wär ich da! O stünd ich schon,

ach süßer Gott, vor deinem Thron

und trüge meine Palmen:

so wollt ich nach der Engel Weis

erhöhen deines Namens Preis

mit tausend schönen Psalmen,

mit tausend schönen Psalmen.


12) Doch gleichwohl will ich, weil ich noch

hier trage dieses Leibes Joch,

auch nicht gar stille schweigen;

mein Herze soll sich fort und fort

an diesem und an allem Ort

zu deinem Lobe neigen,

zu deinem Lobe neigen.


13) Hilf mir und segne meinen Geist

mit Segen, der vom Himmel fleußt,

daß ich dir stetig blühe;

gib, daß der Sommer deiner Gnad

in meiner Seele früh und spat

viel Glaubensfrüchte ziehe,

viel Glaubensfrüchte ziehe.


14) Mach in mir deinem Geiste Raum,

daß ich dir werd ein guter Baum,

und laß mich Wurzel treiben.

Verleihe, daß zu deinem Ruhm

ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben,

und Pflanze möge bleiben.


15) Erwähle mich zum Paradeis

und laß mich bis zur letzten Reis

an Leib und Seele grünen,

so will ich dir und deiner Ehr

allein und sonsten keinem mehr

hier und dort ewig dienen,

hier und dort ewig dienen.


Paul Gerhard